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Der Golf im sunnitsch-schiitischen Spannungsfeld

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Bei den Genfer Verhandlungen über das iranische Atomprogramm am vergangenen Wochenende bezeichnete Irans Außenminister Javad Zarif den Konflikt zwischen der sunnitschen und schiitischen Konfession als “the most serious security threat not only to the region but to the world at large.” Die Vermengung von Politik und konfessionellem Gegensatz, ein verheerendes Erbe des Krieges zwischen dem sunnitischen Irak und der schiitischen Islamischen Republik Iran, sind zu einem entscheidenden Element der Konflikte im Nahen Osten geworden, vom Libanon über den Irak bis zu Syrien.

Die jüngste Ausgabe der Gulf Analysis des ECFR, herausgegeben von Fatima Ayub, widmet sich dem Phänomen der konfessionellen Spannungen und erklärt, wie die Regierungen der Region sie für ihre eigenen Ziele fördern und manipulieren

 “Gulf Analysis” zeigt, dass viele Staaten im Nahen Osten den Sunni-Schia Gegensatz als Vorwand für die Diskriminierung von Minderheiten nutzen. Mehrere Aufsätze von Experten aus der Region legen dar, wie konfessionelle Unterschiede auf die politische Agenda gelangen und wie sie die Politik in der gesamten Region beeinflussen.

Saudi Arabien: Kein anderes Land wird öfters beschuldigt, die Schia-Sunni-Spaltung zu propagieren. Die königliche Familie sieht sich selbst als rechtmäßigen Beschützer islamischer Orthodoxie und unterstützt anti-schiitische Gruppen in Bahrain und Syrien, wo es einen wachsenden iranischen Einfluss befürchtet. Die eigene schiitische Minderheit sieht es als staatsgefährdend an und ist deshalb nicht im Geringsten geneigt, an deren Marginalisierung etwas zu ändern.

Iran: Überraschenderweise sucht der Iran strategische, nicht konfessionelle Allianzen. In seiner Bemühung, die regionale Isolation zu überwinden, ist er Bündnisse mit Partnern eingegangen, die seine Interpretation von internationalen und regionalen Gefahren teilen und beschränkt sich dabei nicht auf Glaubensbrüder seiner Konfession. Beispiele sind die Allianz mit dem Irak und die enge Zusammenarbeit mit der Hamas und Assads Syrien.

Irak: Die politische, soziale und wirtschaftliche Krise des Landes seit der Invasion 2003 dauert an und führt zu immer mehr Gewalt. Der großzügige Gebrauch von anti-sunnitischem Vokabular hat die Position des Premierministers Nouri al-Maliki konsolidiert, gleichzeitig jedoch die Gräben zwischen den mehrheitlichen Schiiten und der Sunni-Minderheit vertieft.

Qatar: Obwohl Qatar sowohl nach innen als auch nach außen nie offiziell Partei im Sunni-Schia Konflikt nimmt, haben die Versuche, seinen Einfluss im Nahen Osten und in Nordafrika zu erweitern, die konfessionellen Spannungen im In- und Ausland verschärft. Das Land verfolgt eine riskante Politik zwischen der Unterstützung für sunnitische Islamisten in der Region, der Rücksicht auf seine eigenen schiitischen Bürger und der Annäherung an den Iran.

 “As Syria deteriorates, sectarianism will become more prevalent there and elsewhere. But taking a broader view, the historical axis between the Gulf and Western powers against Iran exacerbates regional tensions. So the Geneva meetings between the E3+3 have implications for much more than Iran’s nuclear capabilities. If there is an agreement with Iran, it could mark the beginning of a slow shift towards a more pragmatic recognition of mutual interests rather than a continuation of the destructive proxy politics we now see in Syria.” - Fatima Ayub

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